Utz Koester: Eric Chenal

Utz Koester

Bratsche

Utz Köster wuchs in Freden (Leine) in Niedersachsen auf. Nach dem Abitur am Roswitha-Gymnasium Bad Gandersheim begann er mit dem Musikstudium an der Musikakademie der Stadt Kassel. 1987 wechselte er zum künstlerischen Aufbaustudium an die Hochschule der Künste in Berlin in die Klasse von Hans-Joachim Greiner. Im November 1989 wurde Utz Köster Mitglied der Bratschengruppe des Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Von 2006 bis 2013 war er stellvertretender Vorsitzender der Personaldelegation. Er wird regelmäßig beim Rundfunksinfonieorchester Berlin zur Mitwirkung eingeladen. Seine große Begeisterung für Kammermusik mündete 1991 in die Gründung der jährlich im Sommer stattfindenden Internationalen Fredener Musiktage. Seitdem leitet er das Festival als Intendant zusammen mit dem englischen Geiger Adrian Adlam als künstlerischem Leiter. 2010 wurde die Fredener Musiktage mit dem Praetorius Musikpreis Niedersachsen ausgezeichnet.

http://www.fredener-musiktage.de/

http://www.deutschlandradiokultur.de/internationale-fredener-musiktage-2016-bella-italia-in.1091.de.html?dram:article_id=358846

https://www.youtube.com/watch?v=vehvvYxKnh4

Fragen an den Musiker: 

Wie kamst Du zu Deinem Instrument?

Das ist eine lustige Geschichte. Ich bin kein „Edel-Bratscher“, wie die Kollegen, die mit Bratsche direkt anfangen, ich habe mit Geige angefangen. So etwa mit 8 Jahren, als mich mein Vater fragte, was für ein Instrument ich lernen möchte, habe ich mir die Geige ausgesucht. Zu Anfang war ich mit nicht allzu viel Engagement dabei, aber irgendwann hat’s mich dann doch irgendwie erwischt. Mit 14 Jahren bekam ich eine gute Lehrerin, die mir den Spaß am Instrument und damit an der Musik vermitteln konnte. Und so habe ich dann angefangen, Geige zu studieren.

Dann wurde ich aus dem ersten Semester rausgezogen und musste Militärdienst leisten. Also kein Musikkorps oder so etwas, sondern ganz normaler Bundeswehrdienst als Fernmelder. Die waren eigentlich ganz nett bei der Armee, denn sie haben mir einen Kellerraum reserviert, in dem ich abends üben konnte und das hatte mir damals sehr gut getan, dass ich mich so auf die Musik konzentrieren konnte.
Ich habe dann an der Musikakademie in Kassel studiert und dort 1987 meine Staatliche Musiklehrerprüfung abgelegt.

In dieser Zeit wurde bei einer Mugge (Musikalische Gelegenheitsarbeit) dann einmal dringend eine Bratsche gebraucht. Ich hatte immer eine Bratsche im Schrank liegen, mich damit aber nie so richtig beschäftigt und auch den Schlüssel nicht gelernt. Ich habe gesagt: Ok, ich hab` ne Bratsche, aber ich muss erstmal den Schlüssel lernen. Das habe ich dann aus diesem Anlass gemacht und dabei festgestellt, dass mir dieses Instrument noch mehr Spaß macht als Geige. Ich habe ab diesem Zeitpunkt dann immer mehr Bratsche gespielt und immer weniger Geige und habe auch meinen Abschluss mit Bratsche gemacht. Weil dieses Instrument einfach perfekt für mich ist, mir liegt das - der tiefere Ton. Ich habe dann weiter Bratsche für Orchester an der Hochschule der Künste Berlin studiert, weil ich eben nicht nur unterrichten wollte. Letztendlich habe ich aber trotzdem sehr viel unterrichtet in meinem Leben. Alleine schon im Studium, weil ich mir etwas dazuverdienen musste.

Welche Rolle spielt der Dirigent für Dich?

Das ist lustig, dass Du fragst, ob das für mich wichtig ist. Ich glaube für dieses Orchester ist er sehr wichtig. Es gibt auch Orchester, bei denen der Dirigent nicht so wichtig, aber für unser Orchester ist der Dirigent schon sehr wichtig, er ist der Energiespender. Wir haben letztes Jahr mit Andris Nelsons gespielt, das war wirklich ein außergewöhnliches Erlebnis. Da kam sehr viel Energie von vorne und sprang über ins Orchester und das war für mich ein ganz großes Erlebnis. Das war schier unglaublich, was da an Energie übersprang.

Welches ist Dein bevorzugter Komponist und welches Werk spielst Du am liebsten?

Ich liebe Prokofiew, ich liebe Schostakowitsch. Die 5te von Prokofiew ist eine meiner Lieblingssymphonien, die ich sehr gerne spiele. Was wir viel zu selten spielen und sehr gut spielen können, sind Brahms und Schumann. Mit Leopold Hager haben wir wunderschöne Schumannaufführungen erlebt, da kann ich mich sehr gut dran erinnern. Traditionell steht dem OPL natürlich das französische Repertoire sehr nahe, das ist ja wirklich eine alte Tradition. Das liegt wohl an der spannenden Schnittstelle zwischen deutscher und französischer Kultur in Luxemburg und ich bin sehr froh, dass ich viele Werke der französischen Impressionisten hier kennenlernen durfte. Da wir dunkel gefärbte Oboen und natürlich die Bassons im Orchester haben (selbst viele französische Orchester haben sie ja mittlerweile durch deutsche Fagotte ersetzt), ist es wohl auch der authentische Holzbläserklang, der mir so gut am OPL gefällt, wenn wir Werke von Debussy, Ravel und andere französische Komponisten aus dieser Zeit spielen.

Sind die Orchester-Tourneen wichtig  für Dich?

Die finde ich wichtig fürs Orchester, weil wir auf jeden Fall auch nach außen zeigen können, dass wir ein gutes Orchester sind und wir unser Repertoire sehr gut spielen können. Von daher finde ich wichtig, dass man nach außen geht.

Wir waren ja auch schon in meiner Anfangszeit mit Hager sehr viel unterwegs. Anfang der 2000er Jahre haben wir Riesentourneen gemacht durch China, durch Amerika – das war natürlich toll auch für uns einfach als Menschen und als Musiker so weit herumzukommen. Ich hoffe auch, dass das wieder mehr wird. Letzte Saison war da ganz ruhig, im November geht es ja gerade wieder los mit Spanien.
Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man gewöhnt ist, in einer fremden Akustik zu spielen. Wenn wir auf Tournee sind und jeden Abend woanders sind, muss man sich jedes Mal neu auf die Akustik einstellen. Das ist unheimlich wichtig, dass ein Orchester das kann. Jeder Saal setzt andere Akzente im Klang. Bei unserem Saal hier ist es zum Beispiel so, dass man das Blech zurücknehmen muss, weil das immer stärker klingt als die Streicher. Aber es gibt auch Säle, wo es genau anders herum ist, wo man die Bläser ein bisschen kitzeln muss und die Streicher zurücknehmen, damit es einen homogenen, guten Klang ergibt. Das ist natürlich in erster Linie die Aufgabe des Dirigenten, aber auch von uns Musikern, dass man also auch selbst hört, wie der Saal auf das, was wir spielen, reagiert.
Ansonsten sind Tourneen natürlich wunderbar um Land und Leute ein wenig kennen zu lernen. Ich bin immer mit einer Schlagzeuger-Truppe unterwegs und wegen der kurzen Zeit , die uns an den jeweiligen Orten bleibt, bereiten wir uns immer vor und suchen uns vorher schon etwas heraus, ein schönes Restaurant oder was wir uns anschauen wollen. Das spart Zeit. Dadurch bekommt man zumindestens ein Gefühl dafür, wo man eigentlich gerade ist. Das ist eine sehr schöne Nebenerscheinung der Tourneen.

Was macht ein erfolgreiches Konzert für Dich aus und wie fühlst Du dich danach?

Ein erfolgreiches Konzert macht für mich aus, dass ich mich selbst gut fühle auf der Bühne, dass ich gut in Form bin. Wenn ich vorher gut ausgeruht bin, geht es auch in den allermeisten Fällen so gut, dass ich mich nach dem Konzert gut fühle weil ich gut gespielt habe. Das ist erstmal wichtig, dass ich gut gespielt habe, aber natürlich auch was um mich herum passiert. Wenn das Ergebnis gut ist und das Orchester gut gespielt hat, dann fühle ich mich auch gut.

Woran machst Du das aus, dass das Ergebnis gut ist? Ist es der Applaus oder ist das ein eigenes Gefühl?
Das ist ein eigenes Gefühl. Ich glaube, der Applaus spielt schon auch eine Rolle. Ich hatte jetzt ein gutes Erlebnis mit Christie, was sehr gut funktioniert hat. Die Leute waren begeistert. Natürlich hat man einen riesen Respekt vor diesem

Dirigenten, der alles andere als einfach ist im Umgang, aber das Ergebnis hinterher war wirklich sehr gut. Neulich traf ich in Trier jemanden auf der Straße, der auf mich zukam und sagte: „Mensch, dieses Konzert war so schön, das muss ich Dir nochmal sagen.“ Das war ein Riesenerfolg, gerade weil das OPL nicht sehr gewöhnt ist, Barock zu spielen – mit Christie ging das hervorragend. Dieses Konzert hat hat mich mit seinen Ohrwürmern noch wochenlang beschäftigt.

Wer oder was ist noch wichtig in Deinem Leben?

Natürlich ist meine Familie ganz wichtig für mich. Ich bin ein Familienmensch geworden und auch später Vater. Ich habe meine Frau erst mit 35 Jahren kennen gelernt. Witzigerweise auch im Zusammenhang mit dem Orchester. Sie war und ist immer noch Mitglied im Speechor Trier. Wir haben 1996 als eines der letzten Projekte der Hager-Ära „Jeanne d`Arc au bûcher“ von Arthur Honegger zusammen in Trier aufgeführt und nach der dritten und letzten Aufführung saßen wir uns auf einem Mal gegenüber in der Kneipe mit dem bezeichnenden Namen „Schwach & Sinn“. So haben wir uns kennen gelernt.

Also meine drei Ladies zu Hause sind mir ganz wichtig. Mit meinen beiden Töchtern verbringe ich viel gemeinsame Zeit, wenn wir zusammen üben. Dabei habe ich meistens Spaß und sie eigentlich auch immer oder fast immer, sagen wir mal (lacht).

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Also da habe ich noch ein drittes Kind, das sind die Internationalen Fredener Musiktage, ein Kammermusikfestival in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Freden (Leine) hat 3000 Einwohner und ist im Leinetal zwischen Hannover und Göttingen gelegen. Das mache ich seit 27 Jahren als ehrenamtliches Hobby. Das gibt es glaube ich wirklich selten, einen ehrenamtlichen Intendanten. Das macht mir immer noch sehr viel Spaß, ohne das könnte man das auch gar nicht so machen. Es ist nämlich sehr viel Arbeit. Gerade im Zusammenhang mit dem Orchesterberuf ist dies aber eine große Bereicherung.

Hier beim OPL wird für mich gesorgt, hier wird alles für mich vorbereitet, was ich spielen muss, alles ist vorgedacht. Freden ist etwas, das ich dann in einem Teil meiner Orchesterferien selber gestalten kann zusammen mit dem englischen Geiger Adrian Adlam, der 1989/90 auch ein Jahr Mitglied des RTL Symphonieorchesters war und in seiner Jugend in Luxemburg in Bridel aufgewachsen ist. Anschließend ist er zum London Symphony Orchestra gegangen, bei dem er zehn Jahre lang Mitglied war, zum Schluss auch zweiter Konzertmeister, mittlerweile ist er Leiter der Streicherabteilung am Winchester College. Mit ihm zusammen habe ich das Festival 1991 gegründet. Seit dieser Zeit machen wir das. Es ist ein Musikerfestival, ein Programmfestival für Kammermusik, wo wir uns jedes Jahr etwas Neues ausdenken, das Programm sozusagen komponieren und das Festivalensemble camerata freden mit Musikern des OPLs und anderer großer europäischer Orchester auch selbst zusammenstellen. Gerade die Konzerte der camerata werden immer mit ganz viel Freude von unserem Publikum angenommen. Letzten Sommer hatten wir mit dem Thema „Bella Italia“ einen großen Erfolg mit über 80% Auslastung, was auf einem Dorf mit einem Platzangebot von über 300 Plätzen in unserer Hauptspielstätte, der Zehntscheune, früher wirklich nicht ganz einfach war. Mittlerweile kommen jedes Jahr erfreulicherweise zwischen 2500 und 3000 Gäste.

Das hängt aber dann an der Energie des Intendanten und nicht des Dirigenten.

Ja, das steht und fällt mit Adrians und meiner Arbeit. Also ich selber spiele nicht mehr, ich bin da ausgestiegen, ich organisiere wirklich nur, weil mir das einfach zu viel ist. Entweder man spielt gut oder man organisiert gut, aber beides zusammen ist fast unmöglich. Ich organisiere lieber gut und sitze dann auch gern im Publikum und genieße, was auf der Bühne abläuft. Das ist einfach sehr schön. Unsere Arbeit hat in den letzten Jahren auch große Anerkennung bekommen. Wir haben 2010 die höchste Auszeichnung bekommen, die das Land Niedersachsen im musikalischen Bereich vergibt, den Praetorius Musikpreis Niedersachsen. Er wurde an das gesamte Festival verliehen, also an alle Leute, die sich engagieren. Es ist wirklich eine große ehrenamtliche Gemeinschaft, die sich da gefunden hat. Es sind mehr als 30 Leute immer mit dabei. Es gibt einen eigenen Verein mit mittlerweile 130 Mitgliedern, der uns im Background auch eine gewisse Sicherheit verleiht.
Jeweils zwei Konzerte werden jedes Jahr von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet und ausgestrahlt. Darüber hinaus vergeben wir jedes Jahr einen Kompositionsauftrag für Kammermusik, meistens an junge zeitgenössische Komponistinnen und Komponisten. Mittlerweise ist daraus ein Schatz von über 25 Auftragswerken entstanden, die nur für Freden geschrieben wurden und dort auch uraufgeführt wurden. Das wird mittlerweile auch weit über die Region hinaus anerkannt, denn wir werden in diesem Bereich seit zwei Jahren auch von der Ernst von Siemens Musikstiftung gefördert.
Kann man sich diese Werke irgendwo anhören?
Wir haben neben sechs Kammermusik-CDs des Festivalensembles camerata freden beim Label tacet auch die „Premiére in Freden“-CD mit drei Auftragswerken aufgenommen und wir haben vor, in diesem Jahr mit einer größeren Streicherbesetzung die zweite CD aufzulegen, wieder mit drei oder vier Auftragswerken.  Auf Deutschlandradio Kultur lief jetzt das letztjährige Auftragswerk.

 

Vielleicht schon mal als Einladung für die Amis de l’OPL für das Festival 2018: Im nächsten Jahr gibt es das Thema „Musique Deluxe (mbourg)“. Da werden hoffentlich viele Musiker des OPL mit dabei sein, aber auch Luxemburger Ensembles und Solisten, die wir dazu einladen und in jedem Konzert soll mindestens ein Werk eines luxemburgischen Komponisten gespielt werden. Termin ist 21. bis 29. Juli 2018. Das ist zwar noch recht weit weg, aber wir sind natürlich schon in der Planung.

Gibt es noch andere Musik, die Du gerne hörst?

Also ich bin Jazzfan - auf jeden Fall, das hat sich auch aus dem Festival entwickelt, weil wir jedes Jahr auch ein bis zwei Konzerte mit Jazz dabeihaben.

Spielst Du selbst auch Jazz? Nein, selbst spiele ich nicht, aber ich liebe es zuzuhören. Es gibt gerade, wenn Dich das interessiert, am 09.11. Wollny und Peirani hier in der Philharmonie. Peirani ist ein wirklich ein Wahnsinns-Akkordeonist, der auch schon in Freden zu Gast war. Ich habe mir das vorher auf YouTube angehört.  Die beiden spielen unglaublich.

Gibt es Musiker oder Komponisten, die Dich geprägt haben?

Meine Lehrer natürlich. Zuerst meine Geigenlehrerin Regina Wagner, die in meiner Jugendzeit entscheidenden Anteil daran hatte, dass ich Freude an der Musik entwickeln konnte. Meinen Musikleistungskurslehrer in der Schule, Eberhard Bauer, der in der Oberstufe neben den regulären fünf Stunden pro Woche immer noch zwei Stunden ehrenamtlich im Kammerchor mit uns gesungen und gearbeitet hat und auch einen großen Einfluss auf die Entwicklung meiner Freude an der Musik hatte. Und dann natürlich meine Lehrer von der Musikakademie in Kassel und später dann in Berlin. Professor Hans-Joachim Greiner vor allen Dingen, von dem ich auch mit ca. 25 Jahren noch so viel lernen und damit den Weg ins Orchester schaffen konnte.

Wie kamst Du nach Luxemburg und was gefällt Dir hier besonders?

Ich war vorher nie in dieser Region und war also völlig unbeleckt.

Man bewirbt sich auf freie Stellen, wenn man soweit ist, dass man ein Probespiel machen kann und sich ganz intensiv darauf vorbereitet hat. Im RTL-Orchester waren 1989 zwei Bratschenstellen ausgeschrieben, weil damals zwei Kollegen weggegangen bzw. pensioniert waren. Am 6. November, drei Tage vor dem Fall der Mauer, bin ich von Berlin nach Luxemburg aufgebrochen, nachdem ich dort mein Vordiplom gemacht hatte und habe damals zusammen mit Bernhard Kaiser das Probespiel gewonnen.

Ich musste mich am Anfang erst einmal zurechtfinden in Luxemburg, aber das ist mir dann ganz gut gelungen und der Weg, den das Orchester seit damals 1989 genommen hat, ist ein sehr guter Weg geworden. Die Rahmenbedingungen haben sich seitdem hundertprozentig verbessert. Wenn ich mich erinnere unter welchen Bedingungen wir damals geprobt haben und das vergleiche mit den räumlichen Möglichkeiten in der Philharmonie, die zwischenzeitlich entstanden ist. Auch dass das Orchester überführt wurde in die Trägerschaft des Staates und damit die Möglichkeiten ganz andere geworden sind. Ich bin glücklich darüber, dass ich es hierher geschafft habe.
Luxemburg selber – ich habe 12 Jahre lang in der Stadt in Belair gewohnt – mag ich ganz gerne. Nachdem ich meine Frau kennengelernt hatte, die in Trier studiert und dann später auch lange dort gearbeitet hat, sind wir 2001 nach Trier umgezogen.

Was gefällt Dir ganz besonders an Luxemburg?

Der Schmelztiegel der Kulturen – das fand und finde ich immer noch total faszinierend. Auch dass Luxemburg als relativ kleine Stadt so international ist, die kleinste Metropole, die ich kenne – die vielen Sprachen, die man hier auf der Straße so hört, finde ich faszinierend.
Hast Du hier auch Sprachen gelernt?
Ich habe hier Sprachen gelernt. Natürlich Französisch, was ich zu Anfang überhaupt nicht konnte, nicht ein Wort. Ich hatte damals einen wirklich netten französischen Kollegen in meiner Gruppe, der leider früh verstorben ist, Alain Desmau, der kein Wort Deutsch sprechen konnte. Bei ihm hatte ich den Wunsch, mich näher mit ihm unterhalten zu wollen als nur mit Händen und Füßen. Das war der Antrieb für mich, bei der damaligen Freundin von Olivier Kauffmann einen Sprachkurs zu machen. Nicki hat mit Christian Jüttendonk (einem ehemaligen Cellokollegen) und mir dann einen sehr schönen Sprachkurs gemacht. Das war ganz toll, jede Woche so richtig intensiv. Also ich verstehe manche Sachen immer noch nicht bis ins letzte Detail, besonders, wenn es um Fachausdrücke geht, in denen ich mich auch im Deutschen nicht gut auskenne – da verstehe ich nicht alles, aber für den Alltag reicht‘s.

Und Englisch natürlich – mittlerweile ist Englisch viel wichtiger geworden im Orchester.  Das finde ich eigentlich schade, da früher die Schnittstelle im Orchester zwischen dem Deutschen und dem Französischen lag und mittlerweile eine Amerikanisierung stattfindet. Das gefällt mir nicht besonders. Das begann schon zu Matthias Naske‘s Zeiten und nimmt jetzt unter Stephan Gehmacher noch zu. Das finde ich schade. Englisch nimmt eine immer größer werdende Wichtigkeit ein, das hat mich persönlich natürlich auch weitergebracht. Beim Festival läuft vieles über Englisch, allein schon wegen der vielen internationalen Musiker.

Wo siehst Du das OPL in 5 Jahren und was wünschst Du dem OPL für die Zukunft?

Also ich hoffe es sehr, dass wir es schaffen, noch weiter heranzurücken an die Spitzengruppe der europäischen Orchester. Wir stehen ganz gut da, sind aber noch nicht ein Orchester wie Concertgebouw, die Wiener Philharmoniker oder die Berliner Philharmoniker. Es gibt fünf, sechs wirklich sehr gute, große Orchester, das London Symphony und das Orchester des Bayrischen Rundfunks, für mich eines der besten Orchester überhaupt. Wien hat ja einen ganz speziellen Klang und das könnte man auch bei uns noch mehr pflegen. Wir haben ja, wie bereits gesagt, auch einen durchaus speziellen Klang dadurch, dass wir eines der nur noch wenigen Orchester sind, die mit französischen Bassons spielen, in Frankreich sind sie ja schon in mehr als der Hälfte der Orchester abgeschafft und durch deutsche Fagotte ersetzt worden. Dies könnte, meiner Meinung nach, durchaus eine Chance fürs Orchester sein. Da könnte man marketingmäßig etwas daraus machen, auch aus dem dunkleren Klang der Holzbläser. Das ergibt diesen ganz speziellen Klang, besonders im französischen Repertoire.

Ich hoffe auch, dass wir es schaffen noch homogener zu spielen bei den Streichern.

Gibt es auch ein paar lustige Momente oder Anekdoten über den Alltag in einem Orchester zu erzählen?

Mir fällt da eine Geschichte ein, die ich zwar nicht selbst erlebt habe, über die wir aber immer wieder lachen müssen: Die Geschichte eines Bratschenkollegen bei Leopold Hagers 50tem Geburtstag. Hager hatte anlässlich seines Geburtstages auf einer Österreich-Tournee das Orchester zu einem Empfang beim Heurigen eingeladen. Alle haben dem Kollegen gesagt, jeder müsse zum Geburtstag ein Geschenk mitbringen und dass er sich auch etwas überlegen müsse. Er hatte daraufhin eine Ladenhüter-Krawatte gekauft. Er ging beim Empfang zu Hager und überreichte ihm die Krawatte. Hager war wohl sehr verwundert und dann fiel es auch dem Kollegen auf, dass er der Einzige mit einem persönlichen Geschenk war.

Es gibt noch eine lustige Geschichte mit Gilles Héritier und Hager. Hager konnte ja nicht richtig Französisch sprechen. Er hatte es nie gelernt und wollte es auch nicht sprechen. Jedenfalls musste er ja die Musiker ansprechen und hat Gilles immer mit Herr Itier angesprochen. Darüber haben wir Musiker uns immer köstlich amüsiert.

Wie geht es Deinem Instrument und was hat es dazu zu sagen?

Gut. Ich habe ein kleines Stück, die Allemande aus der 1. Cellosuite von Bach, bearbeitet für Bratsche, vorbereitet.