Benjamin Schäfer (Photo: Eric Chenal)

Benjamin Schäfer

Schlagzeug

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Fragen an den Musiker: 

Wie kamst Du zu Deinem Instrument?

Ich hatte sozusagen keine andere Wahl als ein Instrument zu lernen. Jeder in meiner Familie mütterlicherseits spielt ein Instrument. Meine Oma, mein Großvater, mein Onkel, meine Tante meine Mutter, die Cousinen, jeder spielt Musik. Das üben auf Klarinette und Saxophon hatte ich zu Hause schon bei meiner Mutter mitbekommen. Ich fing in den Sommerferien bei meinen Grosseltern in Gelsenkirchen mit Blockflöte an. Mit vier, fünf Jahren fand ich den Blockflötenunterricht bei meinem Opa klasse und war nach der ersten halben Stunde Unterricht richtig stolz. Dann war da mein Patenonkel, der Bruder meiner Mutter. Er ist Schlagzeuger und hat mich damit total angesteckt. Ich fand das als kleiner Junge unheimlich faszinierend wenn er am Schlagzeug ein kleines Solo gespielt hat und, was ich am aller faszinierenden fand, war der Trommelwirbel. Damit hat er mich gekriegt. 

So mit sieben Jahren hab ich gesagt: Mama, ich möchte gerne Schlagzeug spielen wie der Onkel Frank. Mit 14 wusste ich, ich will Schlagzeuger werden.

Welche Rolle spielt der Dirigent für Dich?

Also in der ersten Linie ist er für mich ein Soundingenieur. Für mich ist wichtig, dass er motivierend ist, dass er mich musikalisch packt und herausfordert, mein Potenzial nutzt - dann kann ich ihm auch alles geben. Er braucht ein exzellentes Gehör und sollte eine konkrete Klangvorstellung haben um seine Interpretation zusammen mit dem Orchester zu erarbeitet. Es gibt einen großen Unterschied zwischen „runterspielen“ und ins Detail zu gehen um Atomsphäre zu schaffen und zu zaubern. So wie ein Pep Guardiola bei Bayern München, der seine Spieler entzündet, ein Feuer entfachen kann – so überzeugt man auch Musiker.  

Besonders in den Proben ist es wichtig, dass er einen Weg findet seine musikalischen Ideen, Phrasierungen et cetera gut zu kommunizieren. Dann im Konzert, dass es ihm gelingt mit seiner Gestik, seinem dirigentischen Handwerk, seinem Taktstock die Musiker durch die spannenden Momente zu leiten um den Höhepunkt zu formen.

Welches ist Dein bevorzugter Komponist und welches Werk spielst Du am liebsten?

Dazu habe ich eine Gegenfrage: Mag man seine Mama lieber oder seinen Papa?

Es gibt so viele Komponisten die ich gerne mag, daher kann ich nicht sagen ich mag den einen mehr und den anderen weniger. Es gibt eine Sache, die ich wirklich gerne mag, das sind die frühklassischen wie Beethoven oder Haydn wo man nur zwei Pauken braucht. Ich mag überladenes nicht – das ist nicht so ganz meine Richtung.  Diese Woche spielen wir zum Beispiel eine Bruckner Symphonie, nächste Woche eine von Mahler – ich mag beide Komponisten. Auch was die Werke betrifft bin ich nicht sehr festgelegt. Ich freue mich genauso Le Sacre du Printemps zu spielen wie eine Haydn 104.

Sind die Orchester-Tourneen wichtig  für Dich?

Für mich ja und für das ganze Orchester auch. Tourneen schweißen das Orchester noch mehr zusammen. Orchester ist ja ein Teamsport und wenn wir mit dem Orchester eine Woche auf Tour gehen und eine Woche zusammen leben und musizieren dann kommen wir nach der Tournee nach Hause und sind noch enger zusammengerückt. Es ist das gemeinsame Erleben – man kennt sich besser, vertraut sich mehr. Es ist unglaublich wie das Stück, das man zuhause probt das Orchester im Laufe der Tournee immer mehr zusammenschweißt und damit immer perfekter wird. Was auch immer schön und interessant ist sind die neue Konzertsäle und die neue Akustik zu erleben.

Was bedeutet Musik für Dich?

Kommunikation – zwischen den Musikern, dem Dirigenten und dem Publikum. Wir versuchen Emotionen zu transportieren und für das Publikum hörbar und erlebbar zu machen.

Wer oder was ist noch wichtig in Deinem Leben?

Meine Eltern, meine Freunde, mein ganzen Lehrer bis jetzt, ich mag keinen vergessen – jeder war ein gute Wegbereiter besonders mein Mentor Christian Schmitt. Wäre diese Konstellation nicht dagewesen zwischen meinen Eltern und meinen Lehrern, wäre ich heute nicht hier.

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Ich gehe gern zum Sport – Crossfitness ist gerade meine neue Leidenschaft. Außerdem koche ich gerne und gehe zum Salsa tanzen und am Wochenende gehe ich gerne mit meinen Freunden raus. Ich koche auch ganz gerne indisch, ich kann einen gute Sauce Bolognese und eine ganz große Leidenschaft ist grillen – auch wenn es draußen schneit – ich bin ein Grillmeister.

Gibt es noch andere Musik, die Du gerne hörst?

Elektronische Musik, Hip-Hop, was gerade so in den Charts läuft. Was ganz anderes - ich brauche einfach den Ausgleich zur klassischen Musik nach der Arbeit.

Gibt es Musiker oder Komponisten, die Dich geprägt haben?

Jeder meiner Lehrer hat mich geprägt und jeder von denen war ein guter Wegbereiter. Auf jeden Fall Christian Schmitt und mein Professor von der Musikhochschule Trossingen, Franz Lang. Komponisten nicht so sehr. Wenn ich allerdings nur ein Stück auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, wäre es das wohltemperierte Klavier von Bach.

Wie kamst Du nach Luxemburg und was gefällt Dir hier besonders?

Ich bin bis zu meinem Probespiel nie in der Stadt Luxemburg gewesen. Ich habe vorher in der Zeitschrift „Das Orchester“ die Stellenausschreibung gelesen, mich beworben und eine Einladung bekommen. Das hat mich total gefreut und ich bin hierher gefahren. Ich kam hier an und hier war eine so gute Atmosphäre – ich war total begeistert und beeindruckt.

Wo siehst Du das OPL in 5 Jahren und was wünschst Du dem OPL für die Zukunft?

Ich finde, dass wir gerade auf einem super Weg sind, dass wir in einem Boot sitzen, dass in die richtige Richtung fährt. Man merkt auch wie sich das Orchester in vielen Bereichen verbessert. Ich wünsche mir für das Orchester, dass wir noch bekannter werden, weil wir ein sehr, sehr gutes Orchester sind und uns mit den Top-Orchestern der Welt vergleichen können. Luxemburg ist ein schönes, super Land, aber eben nicht so bekannt wie New York, Paris, London, die kennt jeder. Daher sind wir auf Tournee auch als Botschafter Luxemburgs unterwegs.

Gibt es auch ein paar lustige Momente oder Anekdoten über den Alltag in einem Orchester zu erzählen?

Ich habe einmal das Orchester in die Pause geschickt. Das macht normalerweise nur der Dirigent oder jemand vom Orchestervorstand. Es war während einer Aufnahme eines Bartók Konzerts für Orchester – Emmanuel Krivine hat dirigiert, ich habe Pauke gespielt und am Schluss des ersten Satzes hat die Pauke sehr, sehr laut zu spielen. Und ich habe laut gespielt so wie es sein musste, nur leider hat das Fell das nicht mitgemacht und ich habe ein Loch reingehauen. Danach hätte ich noch mal einen Einsatz auf der gleichen Pauke spielen müssen, aber die war ja zerstört. Emmanuel Krivine bricht ab, schaut mich verwundert an und fragt, was denn da hinten los sei und warum ich meinen  Einsatz nicht gespielt habe. Da bin ich aufgestanden und habe gesagt: « Liebes Orchester, ich habe leider die Pauke zerstört – wir müssen aufhören. Ich wünsche Ihnen allen einen gute Appetit ».

Wie geht es Deinem Instrument und was hat es dazu zu sagen?