Adam Rixer

Adam Rixer

Solotrompete

Adam Rixer, 1975 in Budapest geboren, stammt aus einer Musikerfamilie. Mit zehn Jahren begann er, Trompete zu spielen, mit 18 Jahren nahm er in seiner Heimatstadt ein Trompetenstudium bei György Geiger an der Musikhochschule Franz Liszt auf. Während dieser Jahre gewann er zweimal den nationalen Trompetenwettbewerb in Debrecen (Ungarn) sowie den zweiten Preis beim internationalen Trompetenwettbewerb in Pilisvörösvár (Ungarn). Neben seinem Studium sammelte er Erfahrungen als Orchestermusiker im Radio-Symphonieorchester Budapest und im Budapest Festival Orchestra unter der Leitung von Iván Fischer. Mit dem Budapest Festival Orchestra trat er als Solotrompeter in den renommiertesten Konzertsälen auf, u.a. im Wiener Musikverein und im Konzerthaus Wien, im Amsterdamer Concertgebouw und in der New Yorker Carnegie Hall. Ab 1996 setzte er sein Studium für weitere drei Jahre an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe in der Trompetenklasse von Reinhold Friedrich fort. Seit 1999 ist Adam Rixer 1. Solotrompeter im Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Neben seiner Tätigkeit als Orchestermusiker unterrichtet er Trompete im Conservatoire de la Ville de Luxembourg und ist Mitglied im Ensemble OPL Brass Quintet. Darüber hinaus gastiert er als Solist bei verschiedenen internationalen Musikfestivals, u.a. in Lockenhaus (Österreich), Avignon (Frankreich) und Delft (Niederlande).

Quelle: Philharmonie

Fragen an den Musiker: 

Wie kamst Du zu Deinem Instrument?

Mein Papa war Posaunist in einem professionellen Orchester in Budapest.
Wir sind Donauschwaben und in unserem Dorf und der Umgebung, etwa 30 Kilometer nördlich von Budapest gibt es eine große, lange Tradition. Bei uns werden Polkas, Märsche und Ländler gespielt genau wie in Deutschland oder in Österreich. Da wächst man bei uns einfach rein. Jeder meiner Kumpels hat auch ein Instrument gelernt und mir hat die Trompete wegen ihres Klanges am besten gefallen. Als ich mich dazu entschieden habe ich meinen Papa gefragt: „Papa, kannst Du mir bitte eine Trompete besorgen?“  Und mein Papa hat dann eine Trompete mit nach Hause gebracht.

Welche Rolle spielt der Dirigent für Dich?

Also schon eine sehr wichtige Rolle. Gustavo Gimeno ist jetzt mein vierter Dirigent. Mit ihm haben wir eine gute Zeit. Ich fühle mich wohl mit ihm und ich glaube er macht das Orchester besser. Nach meinem Geschmack ist mit ihm eine gute Entwicklung zu sehen und zu hören. Nachdem ich 1999 als 23-jähriger mit David Shalon angefangen habe, war das eine Super-Periode für mich. Das Orchester war sehr gut muss ich sagen. Seitdem sind 20 Jahre vergangen, es sind sehr viele neue Musiker dazugekommen. Trotzdem haben wir nach meinem Geschmack mit den beiden vorherigen Dirigenten manchmal nicht die Leistung gebracht wie mit den älteren Kollegen. Aber jetzt haben wir meiner Meinung nach mit dem OPL und Gustavo Gimeno wir eine sehr gute Zeit.

Welches ist Dein bevorzugter Komponist und welches Werk spielst Du am liebsten?

Für uns Blechbläser ist Mahler immer sehr anspruchsvoll, Stravinsky, Bartók.
Bartók läuft diese Woche und es ist meine Musik, ungarische Musik, aber mein Kollege wollte spielen, also habe ich ihn spielen lassen. Ich habe das schon oft gespielt. Also Mahler, Stravinsky, Bruckner auch aber ich bevorzuge Mahler.

Sind die Orchester-Tourneen wichtig  für Dich?

Auf jeden Fall für mich aber ich glaube generell für das ganze Orchester ist das sehr wichtig. Auf Tourneen findet das Soziale viel mehr statt als hier zu Hause in der Philharmonie. Hier kommen wir zum Dienst und nach dem Dienst gehen wir wieder nach Hause. Aber auf einer Tournee ist man viel mehr zusammen. Man ist auch viel lockerer und muss nicht daran denken, was muss ich heute noch machen. Man hat Zeit miteinander, auch allein, aber viel mehr Zeit miteinander.
Außerdem lernen wir ständig dazu. In neuen Situationen, in einem anderen Saal, in einer anderen Akustik und vor einem anderen Publikum zu spielen. Das fordert uns heraus. Aber ich muss auch sagen, dass wir hier bei uns super, super Konditionen haben. Ich mugge, sagt man bei uns, ich spiele auch mal als Aushilfe in anderen Orchestern. In großen Orchestern auch in Deutschland in Top-Orchestern und muss sagen, dass es beneidenswert ist was wir hier haben. Manche vergessen das, aber man muss sich einfach einmal umschauen, in anderen Ländern oder auch zurückschauen in unserer eigenen Geschichte. Die Villa Louvigny damals, da Konservatorium und das Theater. Ein symphonisches Werk im Stadttheater zu spielen war schon fast eine Strafe, also eine akustische Strafe würde ich sagen.

Was macht ein erfolgreiches Konzert für Dich aus und wie fühlst Du dich danach?

Ich glaube für ein erfolgreiches Konzert ist die Probeperiode sehr wichtig und wenn wir alles erreichen was wir uns da vorgenommen haben und dann noch ein paar spezielle Momente während des Konzerts dazukommen dann war es ein gutes Konzert. Das Zusammenspiel, die Musikalität und diese speziellen Momente, die nur beim Konzert stattfinden. Man kann ein Stück tausendmal Proben, aber ein Konzert ist immer ein einmaliges Erlebnis - auf diesen Moment hinzuspielen. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Das passiert recht oft aber manchmal klappt das auch nicht, aber dann sind andere Sachen besser, die bei den Proben nicht so waren. Aber perfekt würde ich nie ein Konzert nennen. Ein perfektes Konzert gab es noch nie in meinem Leben, was meinen Teil betrifft.
Ich muss sagen im Moment sind wir sehr positiv und auf einem sehr guten Niveau.
Und das ist ein sehr, sehr schönes, tolles Gefühl und ein extra Motivationsschub. Es ist so schön, wenn man einen Beruf, den man mit Leib und Seele macht auch noch gut macht und das hört man dann beim Publikum, das hört man beim Klatschen und bei den Reaktionen des Publikums, das es gut war. Natürlich spürt man das auch und das ist eine Extra-Motivation für mich.

Wer oder was ist noch wichtig in Deinem Leben?

Ich habe eine schöne, wunderbare Familie, zwei Söhne 10 und 12 und das ist das absolut wichtigste für mich. Der Kleine, Florian hat auch im letzten September Trompete angefangen und das ist ein bisschen so wie ich mit meinem Papa war. Ich war auch faul und in diesem Alter ist das auch normal es gibt so viele interessante Sachen. Aber eigentlich ist er fleißig. Jetzt kommt die Zeit mit zwei Söhnen wo die Papa-Söhne-Beziehung wichtig wird. Ein kleines Beispiel: Gestern Abend kam ich vom Unterrichten nach Hause. Im Moment ist es noch lange hell und mein größerer Sohn, er heißt Adam wie ich, hat gefragt: Komm Papa, spielen wir ein bisschen Federball. Wunderbar! Wir haben dann eine halbe Stunde Federball im Garten gespielt und das war einfach schön.

Was machst Du in Deiner Freizeit?

Wir unternehmen sehr viel mit den Kindern. Außerdem reisen wir sehr gerne, nach Ungarn sowieso um die Familie zu besuchen. Und Fahrrad fahren, das ist ein Hobby von mir und viel, viel draußen zu sein. Der Adam fährt gerne mit Fahrrad und der Flori macht Karate. Sportlich sind wir gut Unterwegs.

Gibt es noch andere Musik, die Du gerne hörst?

Ich höre auch gerne Jazz, aber auch Volksmusik aus meiner Heimat. Wenn ich in Ungarn zu Hause bin bei meinem Bruder der auch Musiker ist, Kapellmeister und Schlagzeuger, treffen wir uns mittwochs im Kulturhaus wo wir früher schon immer geprobt haben. Da bin ich immer dabei. Ich springe ein, was sie auch immer auf dem Programm haben und spiele mit. Die meisten Stücke kenne ich schon und wenn etwas Neues dabei ist, umso besser. Wenn sie wissen, dass ich da bin kommt oft ein Anruf wie: Übermorgen ist eine Hochzeit. Bist Du dabei? Und solche Feste auf den Dörfern sind wunderbar. Wir marschieren dann, spielen Musik und es wird gefeiert.

Gibt es Musiker oder Komponisten, die Dich geprägt haben?

Mein Papa war ein Vorbild für mich und auch meine Lehrer. Ich habe in Budapest bei György Geiger studiert, der auch ein Solotrompeter im Radioorchester war und ein Super-super-Solist ist. Er spielt heute noch Trompete mit über Siebzig und ist topfit. Er ist wirklich eine lebendige Motivation und ein Vorbild für mich.
Ich habe auch in Karlsruhe studiert, zweieinhalb Jahre bei Reinhold Friedrich. Da habe ich einen unglaublichen Motivationsschub bekommen, da ich gesehen habe was man mit diesem Instrument noch alles machen kann.
Ich habe einen Freund, der ehemalige Trompeter Walter Perkins, der schreibt momentan ein Stück für mich, für Klavier und Trompete.
Hier in der Philharmonie sind wir an einem Projekt mit Ivan Boumans, der ein Trompetenkonzert mit Symphonieorchester-Begleitung schreibt.

Wie kamst Du nach Luxemburg und was gefällt Dir hier besonders?

Ich habe in Budapest studiert und später noch in Karlsruhe zweieinhalb Jahre. Während dieser Zeit war ich mit verschiedenen Orchestern als Trompeter unterwegs.  Auch in Ungarn, im Budapest Festival Orchester war ich anderthalb Jahre Solotrompeter als Aushilfe. Da habe ich sehr viel dazugelernt. Wir hatten Tourneen in Amerika und Europa mit großen Werken. In dieser Zeit habe ich mich vorbereitet um Probespiele zu machen. Neben dieser Aushilfsstelle in Budapest hatte ich eine halbe Stelle in Nürnberg bei den Nürnberger Symphonikern, bevor ich diese Stelle bekam. Ich habe damals ständig in Budapester Festival Orchester, ein Top-Orchester, gespielt und es ist heute noch eines der besten Orchester der Welt. Da hört man natürlich die Unterschiede. Das Nürnberger Orchester war zwar gut, aber nicht dieselbe Klasse und ich wollte da nicht unbedingt in Pension gehen. Ich war motiviert andere Jobs zu bekommen und vorzuspielen. Dann kam dieses Vorspielen hier in Luxemburg. Das Programm lag mir auch gut. Zum einen ein Standardprogramm von Haydn aber auch ein Solostück von André Jolivet, was ich während meines Studiums oft gespielt habe. Das lag mir natürlich sehr gut und ich habe mich gefreut. Unser Tubist der Csaba, der war schon da. Das RTL Orchester hatte damals schon einen ziemlich guten Ruf in Ungarn. Während meines Studiums, ich glaube ich war damals siebzehn, hat Csaba seine Stelle hier bekommen. Das war eine große Nachricht: Der Csaba ist Solist beim RTL-Orchester. Ich hätte damals nie geträumt, dass ich einmal neben ihm in diesem Orchester spielen würde. Luxemburg ist ein kleines Land, wie eine Insel in Europa und ich mag diese Ruhe hier. Ich wohne etwas außerhalb und es ist so schön nach dem Dienst nach Hause zu kommen und da ist viel Natur, Kühe sind da und das ist einfach Qualität - für mich Lebensqualität. Auch die vier Sprachen, die die Kinder hier schon lernen. Unsere Kinder gehen in eine Luxemburger Schule. Dort sprechen sie Luxemburgisch, lernen Französisch, Englisch und Deutsch. Zuhause sprechen wir ungarisch, weil meine Frau auch Ungarin ist und aus demselben Dorf stammt - sie hat damals Klarinette gespielt.

Wo siehst Du das OPL in 5 Jahren und was wünschst Du dem OPL für die Zukunft?

Ich glaube wir befinden uns im Moment in einer aufsteigenden Position. Ein Beispiel: Ich habe in Deutschland mit einem Top-Orchester ‘La Mer’ von Debussy gespielt und ich fand, dass unser Orchester dieses Stück besser spielt.. Ich glaube auch das französische Repertoire liegt dem OPL in den Genen. Stravinsky spielen wir schick, präzise wie es nach meinem Geschmack sein soll. Schlank und schön. In fünf Jahre wünsche ich mir, dass wir nur in guten, Top-Sälen spielen und dass diese Entwicklung, die jetzt angefangen hat so weitergeht und wir uns mit den Top-Orchestern messen können. Ich glaube, das können wir schon heute. Unter den Top-Ten Orchestern sind wir noch nicht, aber bestimmt unter den Top-Zwanzig und auf einem guten Weg.

Gibt es auch ein paar lustige Momente oder Anekdoten über den Alltag in einem Orchester zu erzählen?

Natürlich sind wir seriös, aber wir lachen viel. Manchmal passieren auch kleine Patzer. Letzte Woche hatten wir ein Konzert um sieben Uhr und ich dachte es sei um acht. Meine Frau wollte auch mit und ich bin vorsichtigerweise wegen des Verkehrs noch eine halbe Stunde früher losgefahren als sonst, damit ich mich auch noch schön in Ruhe einspielen kann, weil es ein schwieriges Konzert war. Wir waren gerade beim Flughafen unter die Landebahn-Brücke, als mein Handy klingelt.
Niels mein Trompeter-Kollege ruft an: Wo bist Du?
Wieso? Ich bin unterwegs, es staut sich zwar ein wenig aber ich bin in zehn bis fünfzehn Minuten da.
Ja, aber wir gehen in zwei Minuten auf die Bühne!
In dem Moment war das natürlich ein Schock. Ich musste mich ja auch noch umziehen, das war stressig. Ich muss meinen Kumpels ein großes, großes Dankeschön sagen. Melvin vom Militärorchester war da um mich zu unterstützen und die Verdoppelung zu machen. Niels rückte nach vorne, er hat dann Erste, Isabell Zweite und Melvin hat dann Dritte gespielt obwohl er frei war. Das war für alle eine heikle Situation - ungefähr acht Minuten lang, während der Ouvertüre. Aber sie haben das 1a gemacht und ich kam dann zum zweiten Stück dazu. Zwar ohne mich einzuspielen und ein bisschen gestresst kam ich an, aber Gustavo hat mich mit einem Lachen empfangen - schön, dass Du hier bist. Zudem war es noch mein Geburtstag. Ich glaube das vergesse ich nie. Ich habe nach dem Konzert dann einen ausgegeben, Champagner natürlich und mich reichlich, reichlich bei meinen Kumpels bedankt.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, ein Konzert zu spielen. Welche Kombination aus Orchester, Saal und Komponist würdest Du Dir wünschen?

n der Carnegie-Hall habe ich schon einmal mit dem Budapest Festival Orchester gespielt. Ich würde gerne dahin zurückgehen und mit den Berliner Philharmonikern spielen, einfach um zu wissen, wie sich das anfühlt. Vielleicht eine Mahler-Symphonie oder Stravinsky. Einfach nur um zu erleben wie das ist. Vielleicht wäre es das Gleiche wie hier bei uns, aber vielleicht auch nicht (lacht).
Aber es wäre auch schön mit unserem Orchester dort zu spielen.

Wie geht es deinem Instrument und was sagt es dazu?

Meiner Trompete geht es gut - ich halte sie möglichst immer warm und spiele einen lieben Gruß aus meinem Dorf in Ungarn.